03.2020–07.2020
Guest lecture at Kunstuniversität Linz in cooperation with Ars Electronica Center and Isabel Prade. Student work and publication displayed at the Material Lab of the Ars Electronica Center in Linz!
Es gibt Materialien, die gibt es gar nicht. Sie haben Zauberkräfte, können heilen, leuchten im Dunkeln, sind besonders hart und leicht wie Seide zugleich, sie wachsen immer weiter, sie schweben. Das Goldene Vlies, Sandmanns Sand, Drachenglas, das biblische Manna oder Redstone aus der Minecraft-Welt – die Geschichten, die wir erzählen, sind voller verheißungsvoller Materialien, mythischer Stoffe mit magischen Eigenschaften.
Im Rahmen eines Gastsemesters mit Johanna Pichlbauer und Isabel Prade erforschten Studierende der Kunstuniversität Linz das Potential von Material als erzählerischem Werkzeug und experimentierten mit Stoffen für neue Legenden. Dass ein für uns ebenso unsichtbarer wie gefährlicher Stoff dabei sämtliche Workshoppläne mit dem Ars Electronica Center durchkreuzt hat, ist pure Ironie – doch auch zuhause lassen sich Legenden spinnen. Und so entstanden während einer Pandemie Isolationsinseln, auf denen in jeweils unterschiedlichen Stoffgebieten von Moos bis Kombucha, von Gentechnologie bis Klimawandel, Alltagsobjekte zum Mystischen verarbeitet wurden. WG-Küchen dienten als fantastische Alchemiestationen und ein Imaginarium als gemeinsames Archiv der Experimente – eine Kuriositätenkammer mit Materialien und Artefakten aus fernen Zukünften, Märchen und Mythen…

In den Geschichten der Studierenden sind die Held*innen metallproduzierende Mollusken, Haustiereinzeller und Kapseln, die unsere Haut für ein paar Stunden die Farbe wechseln lassen. Sie entspringen der Fantasie, sind aber auch poetische Vorschau auf materielle Zukünfte – denn was heute noch Magie ist, ist morgen vielleicht schon zur technologischen Realität geworden.

Student Work: AUTONOE. Robert Angerer hat sich als Archäologe in die Zukunft begeben. Seine Fundstücke aus dem 23. Jahrhundert erzählen von Ressourcenknappheit auf dem Kontinent Autonoe und von einer ungewöhnlichen Allianz zwischen Technologie und lebenden Organismen... Foto: Robert Angerer

Co-Alchemie in oberösterreichischen WG-Küchen
Aller Anfang ist schwer – gerade wenn es darum geht, den Stein der Weisen zu finden. So sorgen Impulse und kleine Aufgaben dafür, dass der Betrieb in den Heimlaboratorien bald auf Hochtouren läuft. Am besten ist es manchmal doch, sich einfach die Hände schmutzig zu machen und sich vom Prozess überraschen zu lassen. Denn die wirklich bahnbrechenden Entdeckungen sind selten geplant...
Artificialia, Scientifica, Naturalia, Exotica, Mirabilia: Ein Panoptikum von Materialien, die Geschichten erzählen, eine Wunderkammer der menschlichen Vorstellungs- und Erzählkraft. Eine Auswahl der Materialien findet sich im Ars Electronica Center in Linz im Material Lab!
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